Rheinischer Schützenbund e.V. 1872

Der Vereinsbericht: Perfekter Saisonstart

SSG Kevelaer nutzt Heimvorteil für Tabellenspitze in der 1.Bundesliga Luftgewehr. Die dumpfen Schläge der Trommel durchdringen in Wellen die Dreifachturnhalle im Sportzentrum Kevelaer. Dazu gesellt sich einträchtig das anhaltende Schnarren der Holzrasseln. Für die hohen Töne sorgen die Vereinströten. Untermalt wird diese Akustik durch das rhythmische Klatschen der Zuschauer. Diese zunächst ungewohnt anmutende musikalische Darbietung entspringt keinem Freestyle-Orchester, sondern gehört zum akustischen Alltag in der Bundesliga Luftgewehr. Und das bei einer Sportart, die Außenstehende vielleicht eher mit absoluter Stille verbinden.

„Wer bei Bundesligabegegnungen ruhige Wettkämpfe erwartet, der wird enttäuscht. Denn hier geht es hoch her. Lautstarkes Anfeuern mit Rasseln und Trommeln ist an der Tagesordnung. Richtige Bundesligastimmung halt“, so Rudi Joosten, Trainer und Vorsitzender der Schieß-Sport-Gemeinschaft (SSG) Kevelaer. Und Joosten weiß, wovon er spricht. Die Marienstädter starteten am Wochenende bereits in ihre dritte Bundesligasaison. Nach dem 3. Platz beim letzten Bundesligafinale richtete die SSG ein ganzes Wochenende mit vier Wettkämpfen zum Auftakt der Saison vor heimischer Kulisse aus. „Die ersten Wettkämpfe sind immer schwierig. Die Schützen müssen wieder in den Ligamodus finden. Und der vermeintliche Heimvorteil kann da auch zur Bürde werden“, schränkt Joosten ein. Diese Last hat sein Team aber am Ende souverän geschultert. Denn mit zwei Siegen am Samstag gegen SG Hamm (3:2) und am Sonntag gegen KKS Nordstemmen (3:2), führt Kevelaer die Tabelle der Bundesliga Gruppe Nord punktgleich mit SB Freiheit (Niedersachsen) an.

Doch bis dahin war es dennoch ein hartes Stück Arbeit für die sprichwörtlichen Schützlinge des Trainerteams Rudi Joosten und Herbert Zimmermann. Dabei besteht jede Mannschaft aus fünf Schützen. Jeder Schütze bestreitet seinen Wettkampf von 40 Schuss gegen einen gegnerischen Schützen. Die Begegnungen ergeben sich nach der jeweiligen leistungsabhängigen Mannschaftssetzliste (1. gegen 1. usw.). Für jede Wettkampfpaarung wird ein Einzelpunkt vergeben, so dass am Ende Ergebnisse von 3:2, 4:1 oder 5:0 stehen.

Ein Unentschieden gibt es nicht, da bei Gleichstand in den Einzelbegegnungen ein Stechen erfolgt. Die Wettkämpfe werden auf elektronischen Anlagen geschossen und jeder Schuss wird in Echtzeit den Schützen auf Monitoren und für die Zuschauer auf Großbildleinwänden angezeigt. So ist der Schütze über sein, aber auch über das Ergebnis des Gegners stets informiert. „Das ist reine Nervensache. Schießen können alle. Aber es ist die Frage, wer kann das Umfeld am besten ausschalten und sich nur auf sich und seinen Rhythmus konzentrieren“, erläutert Joosten. Und bei der beschriebenen Geräuschkulisse versteht man, warum das nur wenigen gelingt. Zu denen, die das in Perfektion beherrschen, gehört Ivana Maksimovic von der SSG Kevelaer. Die Serbin gehört als Silbermedaillengewinnerin der olympischen Spiele in London 2012 zur absoluten Weltklasse. Mit 398 Ringen (Serien von 98/100/100/100) holte sie gegen Hamm einen sicheren Punkt.

Die Nummer zwei des SSG Teams, Patricia Seipel, bewies ebenfalls ihr Klasse im Kampf Schützin gegen Schütze. In der ersten Begegnung schoss ihr Gegner, der französische Weltcupsieger Pierre Edmont Piasecki, aus Hamm 394 Ringe. Zu diesem Zeitpunkt musste Seipel jedoch noch 18 Schüsse absolvieren und durfte sich keinen Schuss unter der Zehn leisten. Nervenstark setzte sie Schuss für Schuss in die Mitte, für den jeweils hell leuchtend ein roter Kreis für die Zehn auf der Anzeigetafel erschien. So zwang sie ihren Gegner noch in ein Stechen.

Etwas schwerer fand die Nummer drei der SSG Mannschaft, Alexander Thomas, in die Saison. Gegen seine Gegnerin Dana Prüfe (392) hatte er mit 389 Ringe das Nachsehen. Damit mussten die Punkte an den Positionen vier und fünf geholt werden, wenn Kevelaer den Sieg vorzeitig perfekt machen wollte. Den zweiten Punkt holte die Schnellschützin der SSG, Katharina Kösters. In 18 Minuten spulte sie ihren Wettkampf gewohnt rasant ab. Und an ihr Ergebnis von 391 Ringen kam ihre Gegnerin, Melanie Pinto-Coelho, mit 387 Ringen nicht mehr ran. Ein unbeschriebenes Blatt in der Bundesliga stellte der Neuzugang der Kevelaerer an Position fünf dar. Jana Erstfeld hatte denn auch in ihrem Wettkampf zwischenzeitlich Probleme, fand am Ende jedoch zur notwenigen Ruhe und sicherte Kevelaer mit 387 (Peter Gehrlein, Hamm, 382), den dritten und entscheidenden Punkt zum Sieg.

Da konnte die SSG das verlorene Stechen von Patricia Seipel verschmerzen. Am Sonntag sann der nächste Gegner aus Nordstemmen bei Hildesheim auf Revanche. Hatten die Kevelaerer die Niedersachsen beim Bundesligafinale im Kampf um Bronze doch mit einem Kantersieg von 5:0 nach Hause geschickt. Und ihre Siegesambitionen unterstrichen die Norddeutschen von Beginn an eindringlich. In allen Partien stand es Spitz auf Knopf und die Zuschauer schauten gebannt auf die Ergebnistafel. Ständige Führungswechsel prägten die Partie. Da konnten sich die Kevelaerer auch von einer zwischenzeitlichen Hochrechnung mit einem 5:0 nichts kaufen. „Bevor nicht der letzte Schuss im Ziel ist, kann alles passieren. Eine falsche Bewegung und der Schuss löst sich vorzeitig und eine sicher geglaubte Führung ist dahin“, so Joosten.

Solche Probleme hatte Ivana Maksimovic in ihrer Begegnung nicht. Wie am Vortag spulte sie ihren Wettkampf mit den identischen Serien ab und lag mit 398 Ringen vier Ringe vor ihrer polnischen Gegnerin Sylwia Bogacka. Vor ihr war mal wieder Katharina Kösters im Ziel. An deren Leistungssteigerung auf 394 im Vergleich zum Vortag biss sich ihre Gegnerin, Katharina Hottenrott aus Nordstemmen, die Zähne aus, die mit 390 Ringen den Punkt abgeben musste. Spannend machten es Patricia Seipel und Alexander Thomas. Mit 394 bzw. 389 Ringen hatten sie mit zwei bzw. einem Ring das Nachsehen gegen ihre Gegner David Kroll und Henrik Borchers.

Daher ruhten wieder die Hoffnungen auf Jana Erstfeld. Nachdem sie am Vortag die Nervenspannung als Bundesligadebütantin ablegen konnte, erzielte sie nun starke 393 Ringe und steuerte den dritten notwendigen Punkt zum Sieg bei. Damit haben die Kevelaerer nach dem ersten Bundesligawochenende eine reine Weste. Und am Ende waren die knappen 3:2 Siege auch sportlich gerechtfertigt.

So hatten alle Einzelsieger der SSG mindestens vier Ringe Vorsprung im Vergleich zu ihren Gegnern. Und das ist schon deutlich. Auch die Gesamtergebnisse von 1959 und 1968 Ringen waren am ersten Wettkampftag das zweitbeste und am Folgetag das beste Mannschaftsergebnis in der Bundesliga Nord.

Als Spitzenreiter trifft die SSG Kevelaer in vier Wochen nun auf den zweimaligen Deutschen Meister St. Hubertus Elsen aus Paderborn. „Im letzten Jahr konnten wir Elsen schlagen. Und auch jetzt ist das Ergebnis offen“, blickte Joosten in die kurzfristige sportliche Zukunft. Nach dem erfolgreichen Wochenende dürfen die Marienstädte dafür aber mittelfristig ihre Saisonziele wohl nach oben korrigieren. Nachdem Platz vier bis sechs als Ziel ausgegeben war, hofft das SSG Team nun mindestens den vierten Platz am Ende zu belegen, um sich damit wieder für das Bundesligafinale zu qualifizieren. Das Potential haben sie dazu. Die Heimkämpfe waren ein Beleg dafür.



Autor: G. Joosten
Datum: 27.10.2013

 

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