Rheinischer Schützenbund e.V. 1872

Guinness-Weltrekord des Remscheider Schützenvereins

200 Jahre Remscheider Schützenverein – oder warum man 27 Stunden schießen geht.
Anlässlich des 200-jährigen Bestehen des Remscheider Schützenvereins von 1816 Korp. wurde überlegt, mit welchen Veranstaltungen man das Jubiläumsjahr füllen wollte. Da vor wenigen Jahren der mit uns befreundete Musikverein Dohrgaul einen Guinness-Weltrekord mit ihrem Musikmarsch-Marathon aufgestellt hatte, orientierten wir uns ebenfalls in Richtung eines Guinness- Weltrekords.

Schnell wurde dort der längste Marathon im Gewehrschießen gefunden, bei dem in der Disziplin Kleinkaliber 3x40 je 40 Schuss in den Anschlägen Kniend, Liegend und Stehend mit dem Gewehr abzugeben sind.  Der bestehende Rekord über 26 Stunden wurde im Jahr 2003 aufgestellt.

Die anfängliche Euphorie wurde durch das strenge Reglement etwas gedämpft, vor allem die Pausenregelung schreckte uns deutlich ab. Denn pro voller Stunde Schießzeit durften nur 5 Minuten Pause genommen werden, welche man auf maximal 20 Minuten nach vier Stunden sammeln durfte. Nach ersten Trainings erschien uns der Rekordversuch jedoch nicht ganz unmöglich, und so entschlossen sich die Schützen Stefan Kaiser, Alexander Kreicker, Christoph Lange und Sebastian Baum dazu, den Rekordversuch am 16. und 17. April 2016 zu wagen.

Zuvor war noch ein immenser organisatorischer Aufwand nötig, um die wasserdichte Dokumentation zu ermöglichen. So mussten zwei Zeugen und Zeitnehmer gefunden werden, die das Schießen überwachen und alle vier Stunden wechseln.  Ein Logbuch musste geführt und die Ergebnisse später ausgewertet und dokumentiert werden. Darüber hinaus wurden Schießleiter benötigt, nicht zu vergessen die Versorgung mit Essen und Trinken für über 27 Stunden. An Technik wurden insgesamt drei Videokameras angeschlossen und die Aufzeichnungen auf Laptops gespeichert. Das Schießen musste außerdem regelmäßig fotografiert werden.

Die Firma RWS wurde für unser Vorhaben gewonnen und zeigte sich bereit, die Munition für den Wettkampf zu sponsern. Obwohl wir ausdrücklich keine hochwertige Munition benötigten, wurde uns trotzdem die RWS Special Match zur Verfügung gestellt, was sich auch in guten Serien widerspiegelte. Aber dazu später. Hier jedenfalls noch einmal herzlichen Dank für die hervorragende Munition!

Je näher der große Tag rückte, desto mehr Angst machte uns die nächtliche Kälte, die bei den Trainings über die Füße in den Körper zog. Kurzfristig kam uns die Firma Dönges aus Remscheid zu Hilfe und lieferte ein Heizaggregat, welches wir in unsere Lüftung einbauen konnten. Das Gerät rettete uns über den einsetzenden körperlichen Tiefpunkt in der Nacht. Auch ein Defekt des Geräts wurde zur Nachtzeit durch einen Mitarbeiter der Firma behoben, daher noch einmal herzlichen Dank!

Aber nun zum eigentlichen Wettkampf:
Am 16. April fiel um 9 Uhr der Startschuss für die vier Schützen. Die ersten Durchgänge fielen uns recht leicht, was bei dem Programm 3x40 schon etwas heißen mag. Gegen Abend stellten sich die ersten Ermüdungserscheinungen ein, jedoch waren die Motivation und die Zuversicht ungebrochen. Was auch am ständigen Spektakel im  Hintergrund lag, denn neben den 6 bis 7 eingeplanten Helfern besuchten uns über den Tag verteilt ständig weitere Gäste und Helfer.  Die Jugendabteilung setzte ihre Ankündigung: „Wir machen ein Nachtlager und bespaßen euch rund um die Uhr“ eindrucksvoll um und sorgte ständig für positive Stimmung.

Mit Beginn der Nacht wurden in den Pausen die ersten Energy-Drinks eingeworfen, die Zipperlein am Gelenkapparat mit Schmerzgels gelindert oder sich einfach auch kurz auf der Heizdecke erholt. Da aber mittlerweile die Halbzeit der Veranstaltung erreicht war, wurde kein Gedanke an ein Aufgeben verschwendet.

Das änderte sich jedoch zwischen 3 und 4 Uhr Nachts. Nur zur Erinnerung: zu diesem Zeitpunkt waren bereits 18 Stunden auf dem Stand verbracht, und die Bestleistung des Tages von 1080 Ringen war soeben gefallen. Aber der kurzfristige Ausfall der Heizung in Verbindung mit der Müdigkeit und Erschöpfung setzte uns psychisch  derart zu, dass die Helfer ihre ganzen Motivationskünste aufbieten mussten, um uns wieder auf den Stand zu prügeln.

Gegen 8 Uhr morgens war dieses Tal der Tränen dann auch überwunden, und angesichts der verbleibenden Zeit von „mickrigen“ vier Stunden wurde noch einmal auf die Zähne gebissen und alles rausgeholt. Die letzte Pause wurde um 11 Uhr beendet, so dass mit dem ersten Schuss nach dieser Pause der alte Weltrekord eingestellt wurde. Und schon waren sämtliche Schmerzen nebensächlich, die angepeilten 27 Stunden sollten nun vollendet werden.

Um 12:05 Uhr fielen dann auf Ansage des Schießleiters die letzten vier Schuss, welche gleichzeitig abgegeben wurden. Die Uhr blieb bei 27:05 Stunden stehen und die Schützen stellten die Sicherheit ihrer Gewehre her. Völlig ausgepowert klatschten sich die Teilnehmer und anwesenden Zeugen erst einmal ab und fielen sich in die Arme. Das Getöse außerhalb des Schießstands drang langsam zu uns durch und nach einer kurzen Verschnaufpause verließen wir den Schießstand in unseren Aufenthaltsraum.

Ich weiß nicht, wie viele Leute in diesen Raum passen, in diesem Moment war er jedenfalls brechend voll. Unsere Partnerinnen, Familien, Freunde, Schützenschwestern und Schützenbrüder, Helfer, die Presse und „neutrale“ Besucher bereiteten uns einen stürmischen Empfang, der seinen emotionalen Höhepunkt im Ständchen unserer Damen und Jugendlichen fand. Die seelisch ohnehin angeschlagenen, frischgebackenen Weltrekordler waren den Tränen nahe und fielen nach dieser musikalischen Lobeshymne glücklich den Gästen in die Arme.

Zur Belohnung gab es für jeden erst mal eine Flasche Bier – natürlich ein Guinness, welches angesichts der Strapazen dankend angenommen wurde. Die folgenden Minuten sind schwer zu beschreiben, wir waren vollgepumpt mit Stolz, Müdigkeit, Glück, Erschöpfung, Dankbarkeit, Schmerzen und Euphorie.

Alle Schützen hielten die Umsetzung der 27 Stunden zwar grundsätzlich für möglich, rechneten aber nicht damit, dass die ganze Mannschaft den Ritt durchhalten würde.

Es war beeindruckend, wie viele Helfer – nicht nur aus dem eigenen Verein – dieses Vorhaben unterstützt und getragen haben. Ohne eine Floskel daraus zu machen bleibt festzustellen, dass das Unternehmen ohne diese Helfer gnadenlos gescheitert wäre. Jung und Alt, Gewehr- Pistolen- und Bogenschützen, Traditionsschützen und Sportler fanden sich gemeinsam zusammen um dieses Projekt auf die Beine zu stellen.

Und das ist für mich das Herzstück unseres Vereins: Egal ob Sportschütze oder Traditionalist, ob passives Mitglied oder Vereinsmeier: Wenn etwas ansteht, dann helfen wir uns, gemeinsam haben wir bislang alle Hürden genommen und schauen mit Stolz und Freude auf die nächsten 200 Jahre!

Ein wenig Arbeit liegt noch vor uns, die Anerkennung des Weltrekords hängt noch an der Dokumentation des Tages und muss dann in London entschieden werden. Auch wenn dies im worst case nicht klappen sollte, so bin ich unglaublich stolz auf unseren Verein und werde das Gefühl beim Verlassen des Schießstands immer in meinem Herzen tragen. Dafür ein letztes DANKE!

Sebastian Baum
Remscheider Schützenverein von 1816 Korp.

 

Statistik:
Schießzeit:                           27:05 Stunden
Schützen:                             4
Helfer:                                  32
Gäste:                                   ca. 80
Schusszahl:                          ca. 7.300 Schuss RWS Special Match
Geschossene Programme:   zwischen 14 und 18 Programme KK 3x40
Höchstergebnis:                  1080 Ringe
Verzehrte Bananen:             ca. 30

 



Datum: 02.05.2016

 

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